Fast zwei Monate ist es her, dass ich in Amsterdam beim maemo summit 2009 weilte und mit einem N900 in der Tasche nach Hause kam. Zwei Monate in denen ich mich davon überzeugen konnte, dass es sich beim neuen Internet Tablet um ein tolles Gerät handelt – mit vielen Unterschieden zu den Geräten der älteren Generation.
Von diesen soll hier denn auch berichtet werden.
Grund genug die Optik aufzufrischen und es zu einem modernen Layout zu wechseln. Das Bild im Header ist übrigens mit einem N900 aufgenommen und zeigt Passanten beim Befahren der Brücke, die zum Ort des Geschehens in Amsterdam führte.
Ich möchte einen einfachen Weg erläutern mit dessen Hilfe der Standard-Browser durch eine Alternative (z.B. Fennec, midori, tear, …) “ersetzt” werden kann. Das bedeutet nicht das microb vom Tablet verschwindet sondern lediglich, das Aufrufe desselben auf einen der genannten Alternativ-Browser umgeleitet werden. Ich werde das Ganze Beispielhaft für den Mozilla-Browser Fennec beschreiben.
Vorbereitung
wget (Download-Programm), leafpad (Text-Editor) und maemo-control-services (Ein Hilfsprogramm zum Aktivieren und Deaktivieren laufender Dienste) installieren:
browser-proxy.py (Das Script stammt übrigens von “xiojason” und wurde durch “Diez” modifiziert – ich selbst habe nur midori durch fennec ersetzt) herunterladen und im home-Verzeichnis speichern:
cd /home/user
wget http://internettabletblog.de/wp\
-content/2009/09/browser-proxy.py
Die Datei ausführbar machen:
chmod +x browser-proxy.py
Die Datei /usr/share/dbus-1/services/com.nokia.osso_browser.service zum bearbeiten öffnen:
(Optional) Den Dienst tablet-browser-service deaktivieren um weniger Arbeitsspeicher zu verbrauchen: Hierfür im Menü Einstellungen –> Steuerung Das Programm Services aufrufen und das Häkchen bei tablet-browser-service entfernen.
Screenshot: Menüpunkt “Services” im Menü Steuerung
Screenshot: Services – tablet-browser-deamon (3. von unten) deaktivieren
Das Internet Tablet neu starten
sudo reboot
Konsequenzen
Ruft man nun die Lesezeichen des Tablets auf öffnet sich – Richtig! – Fennec. Genauso verhält es sich mit Aufrufen aus Anwendungen wie dem E-Mail-Programm modest heraus. Mauku und alle Anwendungen, die den Browser mit Hilfe des DBus Services aufrufen wenden sich dank des Browserproxy-Scripts an Fennec oder einen der anderen Wunschkandidaten.
Leider kann der Standardbrowser microb nun nicht mehr genutzt werden. Um die Änderungen Rückgängig zu machen muss jedoch nur der inhalt der Datei /usr/share/dbus-1/services/com.nokia.osso_browser.service geändert werden:
Es herrscht momentan fast eine kleine Browser-Schwemme. Neben dem Mozilla Browser mit Codenamen Fennec stehen mit Digias @Web, Midori und Tear jede Menge Konkurrenten in den Startlöchern, um in Konkurrenz zum Standard-Browser microb zu treten.
Jeder der genannten Browser hinterlässt bei mir einen (zutiefst subjektiven) Eindruck und ich will versuchen in diesem und weiteren Artikeln zu notieren was mir gut gefällt und was nicht.
Microb
Mit dem Erscheinen von Maemo 4 (Codname Diablo/OS2008) wurde die zuvor genutzte Opera-Darstellungs-Engine des Maemo Standard-Browsers durch eine auf der Mozilla Gecko-Engine basierende Version ersetzt. In den folgenden Updates des Betriebssystems sorgten diverse Tuning-Maßnahmen dafür das der Browser schneller wurde. Dennoch habe ich das Gefühl, das die Opera-Version aus Chinook/OS2007 noch einen Tick flotter (nicht jedoch fehlerfreier) renderte.
microb-Browser in maemo
Microb ist gleichsam zuverlässig wie vereinnahmend. Zuverlässig, weil man mit diesem Browser auch noch Webseiten anzeigen lassen kann, bei deren Darstellung die anderen Kandidaten früher oder später die Hufe hochreißen. Vereinnahmend, weil es quasi unmöglich ist, während des Ladens einer Webseite noch etwas anderes zu tun. Dank eines seit langem bekannten aber wohl zumindest durch Nokia offiziell nicht mehr zu fixenden Bugs springt das Browserfenster immer wieder mal gern in den Vordergrund. Nervig. Genauso, wie die Tatsache, dass man beim Versuch eine Webseite scrollen zu lassen indem man sie mit dem Stift oder Finger nach oben schiebt, immer wieder im Text-Markieren-Modus landet. Ebenfalls ein Bug der nicht behoben werden wird.
Der Browser kennt keine Tabs und öffnet jede Webseite in einem komplett neuen Fenster. Es ist möglich durch drücken und halten mit Stift oder Finger ein Kontextmenü aufzurufen in dem Aktionen wie Link-in-neuem-Fenster-öffnen oder Bild-speichern-unter möglich sind.
Alles in allem ist Microb aus meiner Sicht auf den vorderen Plätzen im Browser-Ranking zu finden. Schon allein, weil er auch jene Seite zuverlässig lädt, bei denen die anderen Kandidaten abstürzen oder doch zumindest scheitern.
+ stabil
+ schnell
- Keine Behebung bestehender (nerviger) Bugs
- Kein modernes User-Interface (kinetisches scrollen und zoom per doppelklick)
Fennec
Der Mozilla-Browser soll uns Anwendern die volle Vielfalt bestehender Webseiten auf Tablet holen. Wie beim großen Bruder Firefox 3.5, verrichten unter der Haube des Browsers Gecko als Rendering Engine und TraceMonkey als JavaScript-Engine ihren flotten Dienst.
Mozilla Fennec beta2 in maemo
Mit der erst vor kurzem erschienenen 2. Beta-Version gelangt der Browser (zumindest für mich) in ein Stadium in dem ich ihn allen anderen Webbrowsern, die sich auf dem Internet Tablet installieren lassen vorziehe. Endlich regiert das User-Interface flott, werden Webseiten relativ zügig geladen und lassen sich zusätzliche Funktionen gut bedienen. Sogar die ein- oder andere Extension kann zur konstruktiven Mitarbeit überredet werden. So erlaubt es einen die TwitterBar z.B. direkt aus der Awesome-Bar heraus zu zwitschern.
Wermutstropfen hält der Browser dennoch auch in dieser Version bereit. So ist Fennec keine registrierte dbus-Anwendung weshalb der Browser (noch) nicht als Default-Browser für Maemo festgelegt werden kann. Eine Kniff um einen Link in einem neuen Tab oder Fenster öffnen zu können sucht man ebenfalls vergeblich. Abhilfe könnte hier das Duplicate-Tabs Plugin schaffen.
Eher gut als schlecht ist die, dennoch ausbaufähige, Umsetzung des kinetischen Scrollens sowie die vom iPhone oder auch Android-Geräten bekannte Möglichkeit durch doppeltes Tippen auf den Bereich einer Webseite, diesen heranzuzoomen.
Was ist eigentlich kinetisches Scrollen? Die Antwort sieht man im Video!
Insgesamt wird der Browser jedoch von Version zu Version besser. Ungeduldigen sind die “nightly builds” zu empfehlen, mit denen man jeden tag eine neue Version des Browsers auf’s Tablet zaubern kann.
+ kinetisches scrollen (scrollen mit “Beschleunigung”)
+ doppeltes Tippen zoomt in den entsprechenden Abschnitt der Seite
- nicht immer stabil
- teilweise langsam (Rendering) / Speicherhungrig
- kein “Öffnen in neuem Fenster/Tab” und kein Kontext-Menü
Wie in diesem Blog angekündigt, gibt es eine neue Version des Kernel-Patchs, der den Zugriff auf die SD-Karten beschleunigt. Was genau tut dieser Patch? Er erhöht den internen Bus-Takt beim Zugriff auf die Speicherkarten auf 48 MHz. Thank you Philip!
Was genau zu tun ist, um den Patch einzuspielen kann im N800-Wiki nachgelesen werden.
Disclaimer: Ich selbst habe den Patch probiert möchte jedoch darauf hinweisen, dass dieser High-Speed-Mode weder durch Texas Instruments, noch durch Nokia offiziell unterstützt werden. (Quelle)