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Qual der Wahl: Browser in Maemo (Teil 1 – microb vs. Fennec)

15. Juli 2009 von Uwe Kaminski

Es herrscht momentan fast eine kleine Browser-Schwemme. Neben dem Mozilla Browser mit Codenamen Fennec stehen mit Digias @Web, Midori und Tear jede Menge Konkurrenten in den Startlöchern, um in Konkurrenz zum Standard-Browser microb zu treten.

Jeder der genannten Browser hinterlässt bei mir einen (zutiefst subjektiven) Eindruck und ich will versuchen in diesem und weiteren Artikeln zu notieren was mir gut gefällt und was nicht.

Microb

Mit dem Erscheinen von Maemo 4 (Codname Diablo/OS2008) wurde die zuvor genutzte Opera-Darstellungs-Engine des Maemo Standard-Browsers durch eine auf der Mozilla Gecko-Engine basierende Version ersetzt. In den folgenden Updates des Betriebssystems sorgten diverse Tuning-Maßnahmen dafür das der Browser schneller wurde. Dennoch habe ich das Gefühl, das die Opera-Version aus Chinook/OS2007 noch einen Tick flotter (nicht jedoch fehlerfreier) renderte.

microb-maemo

microb-Browser in maemo

Microb ist gleichsam zuverlässig wie vereinnahmend. Zuverlässig, weil man mit diesem Browser auch noch Webseiten anzeigen lassen kann, bei deren Darstellung die anderen Kandidaten früher oder später die Hufe hochreißen. Vereinnahmend, weil es quasi unmöglich ist, während des Ladens einer Webseite noch etwas anderes zu tun. Dank eines seit langem bekannten aber wohl zumindest durch Nokia offiziell nicht mehr zu fixenden Bugs springt das Browserfenster immer wieder mal gern in den Vordergrund. Nervig. Genauso, wie die Tatsache, dass man beim Versuch eine Webseite scrollen zu lassen indem man sie mit dem Stift oder Finger nach oben schiebt, immer wieder im Text-Markieren-Modus landet. Ebenfalls ein Bug der nicht behoben werden wird.

Der Browser kennt keine Tabs und öffnet jede Webseite in einem komplett neuen Fenster. Es ist möglich durch drücken und halten mit Stift oder Finger ein Kontextmenü aufzurufen in dem Aktionen wie Link-in-neuem-Fenster-öffnen oder Bild-speichern-unter möglich sind.

Alles in allem ist Microb aus meiner Sicht auf den vorderen Plätzen im Browser-Ranking zu finden. Schon allein, weil er auch jene Seite zuverlässig lädt, bei denen die anderen Kandidaten abstürzen oder doch zumindest scheitern.

+ stabil

+ schnell

- Keine Behebung bestehender (nerviger) Bugs

- Kein modernes User-Interface (kinetisches scrollen und zoom per doppelklick)

Fennec

Der Mozilla-Browser soll uns Anwendern die volle Vielfalt bestehender Webseiten auf Tablet holen. Wie beim großen Bruder Firefox 3.5, verrichten unter der Haube des Browsers Gecko als Rendering Engine und TraceMonkey als JavaScript-Engine ihren flotten Dienst.

mozilla-fennec-beta2-maemo

Mozilla Fennec beta2 in maemo

Mit der erst vor kurzem erschienenen 2. Beta-Version gelangt der Browser (zumindest für mich) in ein Stadium in dem ich ihn allen anderen Webbrowsern, die sich auf dem Internet Tablet installieren lassen vorziehe. Endlich regiert das User-Interface flott, werden Webseiten relativ zügig geladen und lassen sich zusätzliche Funktionen gut bedienen. Sogar die ein- oder andere Extension kann zur konstruktiven Mitarbeit überredet werden. So erlaubt es einen die TwitterBar z.B. direkt aus der Awesome-Bar heraus zu zwitschern.

Wermutstropfen hält der Browser dennoch auch in dieser Version bereit. So ist Fennec keine registrierte dbus-Anwendung weshalb der Browser (noch) nicht als Default-Browser für Maemo festgelegt werden kann. Eine Kniff um einen Link in einem neuen Tab oder Fenster öffnen zu können sucht man ebenfalls vergeblich. Abhilfe könnte hier das Duplicate-Tabs Plugin schaffen.

Eher gut als schlecht ist die, dennoch ausbaufähige, Umsetzung des kinetischen Scrollens sowie die vom iPhone oder auch Android-Geräten bekannte Möglichkeit durch doppeltes Tippen auf den Bereich einer Webseite, diesen heranzuzoomen.

Was ist eigentlich kinetisches Scrollen? Die Antwort sieht man im Video!

Insgesamt wird der Browser jedoch von Version zu Version besser. Ungeduldigen sind die “nightly builds” zu empfehlen, mit denen man jeden tag eine neue Version des Browsers auf’s Tablet zaubern kann.

+ kinetisches scrollen (scrollen mit “Beschleunigung”)

+ doppeltes Tippen zoomt in den entsprechenden Abschnitt der Seite

- nicht immer stabil

- teilweise langsam (Rendering) / Speicherhungrig

- kein “Öffnen in neuem Fenster/Tab” und kein Kontext-Menü

Technorati Tags: microb, mozilla, fennec, maemo

Geschrieben in InternetTablet, Maemo, N800, N810, Software | 8 Kommentare

8 Reaktionen zu “Qual der Wahl: Browser in Maemo (Teil 1 – microb vs. Fennec)”

  1. am 15 Jul 2009 um 21:581ossi1967

    Bin gespannt, was Du über tear schreibst. Das ist der einzige, den ich bisher noch nicht kenne.

    Midori hab ich in Mer erlebt – gleiches Drama wie bei Fennec: keine Funktionalität.

    Ich versteh halt nicht, warum man in (an sich unnötige) Spielereien wie kinetic Scrolling Energie investiert, wenn man noch nicht mal die absolute Basis fertig hat. Was nützt mir die Scrollerei, wenn ich den Browser nicht für alltägliche Aufgaben verwenden kann? :(

    Wenn Du mir tear nicht noch schmackhaft machen kannst (bemüh Dich! *gg*), bleibt für mich MicroB der mit großem Abstand beste Browser für Diablo.

  2. am 16 Jul 2009 um 10:222jukey

    Du darfst gespannt bleiben. Tear ist ziemlich großes Tennis, wie ich finde. Tränen sind mir bei der Nutzung jedenfalls nicht gekommen. *schenkelklopf*

    Das kinetische Scrollen ist ein ziemlich gutes Beispiel für bessere Usability – verglichen mit dem tradionellen Scroll-Balken. Der Scroll-Balken nimmt Platz weg und muss getroffen werden (eigentlich nur mit dem Stift bei normaler Breite sinnvoll möglich). Tippt man (mit Stift oder Finger) “in” die Seite hinein um diese zu Bewegen wird die Bedienung schon “natürlicher” – ein Blatt Papier würde man ja auch hochschieben um den unteren Teil zu lesen. Spätestens beim scrollen von sich über mehrere Seiten erstreckende Inhalten nervt es wenn immer dann Schluss ist, wenn Stift oder Finger an den Rand des Bildschirms stoßen. Das kinetische Scrollen in Webseiten würde ich mit dem schnellen Durchblättern (Stichwort Daumenkino!) einer Zeitschrift vergleichen.

    Allerdings, da gebe ich dir Recht kommt die Alltagstauglichkeit noch _vor_ der Entscheidung wie denn nun da Scrollen umgesetzt wird.

  3. am 16 Jul 2009 um 10:393ossi1967

    Ad “kinetic Scrolling”:

    Ich finds halt generell effizienter, den Knubbel (wie heißt das Ding?) auf einem Scrollbar von seiner aktuellen Position mit einer Bewegung z.B. ganz ans Ende zu schieben als mittels kinetic Scrolling die Website wieder und wieder “anzuschubsen”, bis ich irgendwann mal unten gelandet bin – je nach Länge der Seite mal früher, mal später.

    Außerdem hast Du mit jeder Scrolling-Methode, die nicht via Scrollbar funktioniert, das Problem mit dem Markieren: Wann bedeutet eine Bewegung über den Text “markieren”, wann bedeutet sie “scrollen”? Da muß man sich dann wieder Tricks einfallen lassen dafür, die das ganze wieder fehleranfällig machen (so wie jetzt bei MicroB).

    Daß man den Scrollbar “treffen” muß, halte ich für ein konstruiertes Problem: Das muß man ja am Desktop auch. Und ich kenn niemanden, dem das schwer fällt. ;)

  4. am 16 Jul 2009 um 11:164jukey

    Ich möchte dir aber entgegenhalten, dass ich nur noch in vielleicht 5% der Fälle die Scrollbar verwende. Sonst greife ich auf Scrollrädchen der Maus zurück oder, wie bei meinem EeePC freue mich über die bei Apple geklaute Methode das Touchpad einfach mit zwei Fingern nebeneinander zu berühren und beide nach oben/unten zuschieben um zu scrollen. Funktioniert prima.

    Zum Thema “Treffen”: Das ist natürlich vor allem dann ein Problem, wenn man es mit den eigenen Gnubbel-Fingern versucht. :)

    Das Text-Markieren Problem ließe sich simplel durch Umschalten in einen Markieren-Modus realisieren (die Windows-Shell lässt grüßen – dort gibts auch ein Menü “markieren”).

  5. am 17 Jul 2009 um 10:065ossi1967

    > Zum Thema “Treffen”: Das ist natürlich
    > vor allem dann ein Problem, wenn man es
    > mit den eigenen Gnubbel-Fingern versucht. :)

    Ja wenn man auch alles mit den Fingern antatschen muß… ;)

    Natürlich geht mit den Fingern gar nix. Das ist ja auch extrem mühsam und macht nur Probleme… So wie wenn man statt der Maus nur die Pfeil-Tasten benutzen würde, um den Mauszeiger zu verschieben.

    Stylus verwenden und flutscht schon.

  6. am 26 Aug 2009 um 18:156zehjotkah

    Nur kurz am Rande: in Chinook wars schon der Firefox-Browser… In Gregale und Bora wars noch der Opera-Browser… Denn Diablo war nur ein Update zu Chinook, aber beides ist maemo4.
    Ich benutze übrigens microB mit der Webkit-erweiterung -> schnell, kinetic-scrolling (man hat ja immer noch die scrollbar am rechten Bildschirmrand; die am unteren Bildschirmrand ist alledings (glücklicherweise) verschwunden)
    mfG
    zehjotkah

  7. am 26 Aug 2009 um 18:337jukey

    Danke für die Korrektur. Wo finde ich die Webkit-Erweiterung für microb? Hast du einen Link für mich? :-)

  8. am 03 Okt 2009 um 19:468Peter Steier

    Endlich mal vernünftige Ansichten!
    Außer mit Microb konnte ich in keinem Browser (tear, midori, @web) einen Termin im Google Calendar hinzufügen. Ich finde Textmarkieren übrigens auch wichtiger als scrollen.

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    08.10.2010 @ c-base

    mobile freidae berlin

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